BCE Biologie - Computer - Elektronik
Meerbuscher
Schülerprojekt erregt Aufsehen bei Biologen / Gymnasiasten lösen
Forschungsproblem
Wissen
wie die Guppys schwimmen (aus Rheinische Post vom 30.5.2002)
Von FELIX
VON ZITTWITZ
(RP). "Ich habe anderthalb Jahre selbst an so einem Problem gearbeitet",
gesteht Tobias Möser, Biologe des Bonner Museums König.
"Ich habe es nicht gelöst." Solche Reaktionen erntete
der Vortrag von Physik- und Informatiklehrer Franz Vogel (49) im Düsseldorfer
Aquazoo. Er stellte das gemeinsame Projekt der Informatik und der
Biologie AG des Städtischen Meerbusch Gymnasiums vor: Ein Computerprogramm
zur Erfassung und Verfolgung der Bewegungen von Fischen.
Problem einfach gelöst
Was dem Biologen Möser nicht gelungen war, löste Chris Rausch
(17), ein Schüler Vogels, mit einfachsten Mitteln. Auf Bitte
seines Lehrers hin erarbeitete er eine spezielle Software. Der Trick
dabei: Eine an den Computer angeschlossene Kamera übermittelt
in bestimmten Abständen Bilder - und das Programm ermittelt,
wie sich die Fische bewegt haben. Über beliebig lange Zeit, solange
der Speicher reicht. Bisher ließen sich die Tiere nur mit aufwendiger
Beobachtung oder mittels relativ ungenauer Lichtschranken verfolgen.
Auf das Problem war die Biologie AG unter Leitung von Harald Seufert
(41) bei der Erforschung des Balzverhaltens wilder Guppys gestoßen.
Svenja Nina Roß (18), Marius Luciano (16) und Lukas Mertens
(15) verbrachten einmal wöchentlich je ein bis zwei Stunden vor
dem Aquarium und beobachteten die Fische. Um sich die mühselige
Observationsarbeit zu sparen, bat man schließlich Vogel um Rat,
der zunächst auch nicht zu helfen wusste. Vogel: "Und was
macht man als Lehrer, wenn man keine Ahnung hat? Man fragt seine Schüler."
Symposion im Aquazoo
Die Idee zu diesem Projekt stammte ursprünglich von Seufert und
Hartmut Greve (59), Professor für Zoomorphologie und Zellbiologie
in Düsseldorf. Er war es auch, der das Projekt bei dem fünften
"Symposium über das Fortpflanzungsverhalten von Aquarienfischen"
im Aquazoo anmeldete. Hier wurde das Programm schließlich vor
renommierten Fachleuten vorgestellt.
Greven bezeichnete die Schüler als "Jungdynamiker, die zusammen
mit schon etwas ergrauten Herren etwas ganz erstaunliches zustande
gebracht haben." Für bedeutungsvoll erachtet der Professor
das Projekt vor allem wegen seiner Preisgünstigkeit: "Ohne
abwertend klingen zu wollen: Das ist genau das Richtige für jeden
Amateurforscher."
Weiter beschreibt er auch die Anwendung dieser neuen Methode auf weniger
vollständig erforschte Fischarten als den Guppy: "Da steckt
sehr viel junges Potential drin."