Philosophiekurs
Stufe 11 bei Herrn Küstermann
Glauben
und Wissen (von Mareike Müller)
Glauben
ist im Gegensatz zum Wissen eine Frage der Interpretation. Jeder Mensch
glaubt, doch jeder scheint Glauben auf eine andere Art zu interpretieren.
Es gibt beispielsweise den Glauben an die Kirche, den Glauben an die
Liebe, den Glauben an sich selbst und andere. Jedes mal hält
man beim Glauben etwas für wahr, kann dies jedoch nicht methodisch
beweisen. Entweder man glaubt oder man glaubt nicht, es gibt hier
kein Zwischending. Glauben ist ein Ausdruck von vollkommender Überzeugung.
Es wird jedoch auch behauptet, dass nur noch Kinder glauben können,
was besagt, das kein Erwachsener glauben kann und Kinder, je älter
sie werden den Glauben verlieren. Es wachsen Glaube und Unschuld nur
am Baume der Kindheit nach; jedoch sie währen nicht. (Dante)
Die Frage hierbei ist jedoch, an was Kinder überhaupt glauben
und warum sie diesen kindlichen Glauben verlieren. Das könnte
daran liegen, dass sie von Erwachsenen erzogen werden und diese ja
bereits nicht mehr glauben können. Kinder übernehmen, was
ihnen vorgelebt wird und Erwachsene nehmen auch oftmals den Kindern
ihren Glauben, da sie die Träume und den Glauben der Kinder zerstören,
gewollt aber auch nicht gewollt.
Andererseits scheinen einige Erwachsene nicht ohne ihren Glauben leben
zu können, denn der Glaube an die Kirche und Gott ist für
sie lebenswichtig. Sie sind der Meinung, das Gott ihre Probleme löst
und wenn sie diesem glauben nicht nachgehen würden/könnten,
hätten sie das Gefühl, dass sie mit ihrem Leben nicht klar
kommen würden, dass ihre Existenz bedroht ist. Der Glaube hat
sie abhängig gemacht. Diese Abhängigkeit erlernen diese
Menschen meist von ihren Eltern und geben dies dann an ihre Kinder
weiter, jedoch gibt es auch Menschen, die durch andere, für sie
erstmals fremde Menschen anhängig werden. Der Glaube an einen
Menschen, der Besserung verspricht ist für Menschen, die nicht
mehr mit ihrem Leben zurecht kommen eine Flucht ins Ungewisse. Der
Glaube an das Versprechen macht sie dermaßen abhängig,
dass sie nicht mehr wissen, was mit ihnen geschieht.
Der Glaube an etwas, was ihnen Besserung verspricht macht Menschen
selig.
Die verschiedenen Glaubensrichtungen, die bei uns anerkannt sind,
verstehen den Glauben allerdings auch auf jeweils andere Weise: Z.B.
im Christlichem Glauben ist es die gelebte Beziehung zu Gott und seiner
Gnade. Der Katholische Glauben unterscheidet sich jedoch noch vom
Evangelischen. Während die katholische Kirche betont, dass der
Glauben eine Zustimmung des Verstandes zur Unterwerfung der göttlichen
Offenbarung ist, besagt die evangelische Theologie, dass der Glaube
ein Geschenk Gottes ist um das er bitten soll, da er es aus eigener
Kraft zu schöpfen nicht möglich ist. Der Buddhismus hingegen
fordert den Glauben an Buddha und seine Verkündigung als ersten
Schritt auf dem Weg der Erlösung.
Man kann aber sagen, dass jeder Mensch an etwas glaubt, denn ohne
irgend einen Glauben, könnte kein Mensch leben. Selbst wenn es
nur der Glaube an sich selbst und in seine eigenen Fähigkeiten
ist, so glaubt man. Jedoch weiß man nicht, ob es immer so sein
wird, wie es ist oder wie man es glaubt. Es gibt keine Sicherheit
und man kann nur selten einen anderen Menschen davon überzeugen,
dass das was man für sich glaubt wahr ist/sein wird. Dies kann
man nur mit Logik und Wissen.
Was jedoch ist Wissen?
Früher war es verpönt zu glauben, denn was nicht auf Wissen
beruhte, galt als Aberglaube. Wissen und Glaube standen im totalen
Gegensatz zu einander und diese konnte man nicht miteinander verbinden.
Es ging sogar so weit, dass der Aberglaube bekämpft wurde.
Wissen definiert man heutzutage durch mehrere Dinge. Wie zum Beispiel
durch Alltagswissen, die tägliche Bestätigung, das ein Reifen
rund ist und nur runde Dinge rollen können und ähnliches.
Alltagswissen, was kaum noch jemand beachtet, da es für uns Menschen
für selbstverständlich geworden ist, dass Dinge funktionieren.
Aber auch Erkenntnis ist Wissen, welche wir uns Tag für Tag aneignen
durch beobachten und erforschen der Umwelt, aber auch durch die Wissenschaft,
die täglich neue Dinge erkundet und an die Menschheit weiter
gibt.
Wissen kann aber auch Intelligenz bedeuten, wie das Wissen, dass 1+1=2
ist. Aber auch Dinge die wir im täglichen Leben tun, wie beispielsweise
Laufen, müssen wir erlernen und dies können wir nur, indem
wir wissen wie dieser Vorgang abläuft, da wir ihn von Menschen
aus unsere Umgebung nachahmen.
Der Unterschied ist also klar, aber kann man so genau wissen, ob man
jetzt tatsächlich etwas weiß und ob das Wissen ist?
So genau kann man nicht sagen, wann man weiß das etwas stimmt,
nur drücken die Menschen dies unterschiedlich aus. Beispielsweise
sagt der eine, dass er weiß, dass es Gott gibt und ein anderer
sagt er glaubt, dass es Gott gäbe. Keiner von beiden kann beweisen,
dass es wirklich so ist. Also ist es eine Annahme, bei der der Erste
meint, er kann es für sich beweisen und der andere möchte
daran glauben, kann es aber keinem anderen darlegen.
Menschen brauchen Beweise um zu glauben, aber auch nur dann, wenn
neue Dinge in unser Leben eintreten. Sie glauben nicht einfach, was
man ihnen sagt. Aber sobald jemand ihnen einen plausiblen Grund genannt
hat, dann sagen sie schon sie haben verstanden und bezeichnen dies
als Wissen.
Doch gibt es auch Dinge, die man nicht mehr beweisen oder auch nie
beweisen kann. Denn wie die Welt jetzt letztendlich entstanden ist,
können wir nur vermuten, nicht wissen, müssen einfach glauben.
Wer dann glaubt, kann von sich sagen, dass er etwas zum weiterleben
hat. Diejenigen, die glauben, haben etwas, woran sie sich halten,
ja sogar festhalten können. Doch die, die meinen zu wissen, bei
denen besteht Gefahr, dass ihnen das Gegenteil bewiesen werden kann
und dann stehen sie da und ihr Wissen ist widerlegt worden. Doch fällt
es den meisten Menschen heutzutage leichter zu wissen als zu glauben.
Sie wollen Beweise und ohne diese können sie keinen Glauben aufbauen.
Ohne Beweis kein Glauben, ohne Glauben kein Wissen.
Es kommt immer auf den Menschen an, ob er glauben möchte oder
nicht. Niemand kann gezwungen werden zu glauben, jedoch kann man auch
Wissen nicht erzwingen. Liegt aber Glaube nicht an einem Selbst und
Wissen an dem anderen, der mir dieses vermitteln könnte?
Wenn man unter Umständen in einer Notsituation ist, kann einem
Wissen jedoch wenig helfen, aber wenn man glauben kann, glauben an
Hilfe, die bald kommt und einen rettet, ist man nicht verloren und
kann alles länger aushalten.
Wo das Wissen aufhört, fängt der
Glaube an. (Aurelius Alighieri)