Fachschaft Philosophie
Essay zum Thema "Glauben und Wissen"
Zum 2. Beitrag von Johanna Sokoließ

Philosophiekurs Stufe 11 bei Herrn Küstermann

Glauben und Wissen (von Mareike Müller)

Glauben ist im Gegensatz zum Wissen eine Frage der Interpretation. Jeder Mensch glaubt, doch jeder scheint Glauben auf eine andere Art zu interpretieren. Es gibt beispielsweise den Glauben an die Kirche, den Glauben an die Liebe, den Glauben an sich selbst und andere. Jedes mal hält man beim Glauben etwas für wahr, kann dies jedoch nicht methodisch beweisen. Entweder man glaubt oder man glaubt nicht, es gibt hier kein Zwischending. Glauben ist ein Ausdruck von vollkommender Überzeugung.
Es wird jedoch auch behauptet, dass nur noch Kinder glauben können, was besagt, das kein Erwachsener glauben kann und Kinder, je älter sie werden den Glauben verlieren. Es wachsen Glaube und Unschuld nur am Baume der Kindheit nach; jedoch sie währen nicht. (Dante) Die Frage hierbei ist jedoch, an was Kinder überhaupt glauben und warum sie diesen kindlichen Glauben verlieren. Das könnte daran liegen, dass sie von Erwachsenen erzogen werden und diese ja bereits nicht mehr glauben können. Kinder übernehmen, was ihnen vorgelebt wird und Erwachsene nehmen auch oftmals den Kindern ihren Glauben, da sie die Träume und den Glauben der Kinder zerstören, gewollt aber auch nicht gewollt.
Andererseits scheinen einige Erwachsene nicht ohne ihren Glauben leben zu können, denn der Glaube an die Kirche und Gott ist für sie lebenswichtig. Sie sind der Meinung, das Gott ihre Probleme löst und wenn sie diesem glauben nicht nachgehen würden/könnten, hätten sie das Gefühl, dass sie mit ihrem Leben nicht klar kommen würden, dass ihre Existenz bedroht ist. Der Glaube hat sie abhängig gemacht. Diese Abhängigkeit erlernen diese Menschen meist von ihren Eltern und geben dies dann an ihre Kinder weiter, jedoch gibt es auch Menschen, die durch andere, für sie erstmals fremde Menschen anhängig werden. Der Glaube an einen Menschen, der Besserung verspricht ist für Menschen, die nicht mehr mit ihrem Leben zurecht kommen eine Flucht ins Ungewisse. Der Glaube an das Versprechen macht sie dermaßen abhängig, dass sie nicht mehr wissen, was mit ihnen geschieht.
Der Glaube an etwas, was ihnen Besserung verspricht macht Menschen selig.
Die verschiedenen Glaubensrichtungen, die bei uns anerkannt sind, verstehen den Glauben allerdings auch auf jeweils andere Weise: Z.B. im Christlichem Glauben ist es die gelebte Beziehung zu Gott und seiner Gnade. Der Katholische Glauben unterscheidet sich jedoch noch vom Evangelischen. Während die katholische Kirche betont, dass der Glauben eine Zustimmung des Verstandes zur Unterwerfung der göttlichen Offenbarung ist, besagt die evangelische Theologie, dass der Glaube ein Geschenk Gottes ist um das er bitten soll, da er es aus eigener Kraft zu schöpfen nicht möglich ist. Der Buddhismus hingegen fordert den Glauben an Buddha und seine Verkündigung als ersten Schritt auf dem Weg der Erlösung.
Man kann aber sagen, dass jeder Mensch an etwas glaubt, denn ohne irgend einen Glauben, könnte kein Mensch leben. Selbst wenn es nur der Glaube an sich selbst und in seine eigenen Fähigkeiten ist, so glaubt man. Jedoch weiß man nicht, ob es immer so sein wird, wie es ist oder wie man es glaubt. Es gibt keine Sicherheit und man kann nur selten einen anderen Menschen davon überzeugen, dass das was man für sich glaubt wahr ist/sein wird. Dies kann man nur mit Logik und Wissen.
Was jedoch ist Wissen?
Früher war es verpönt zu glauben, denn was nicht auf Wissen beruhte, galt als Aberglaube. Wissen und Glaube standen im totalen Gegensatz zu einander und diese konnte man nicht miteinander verbinden. Es ging sogar so weit, dass der Aberglaube bekämpft wurde.
Wissen definiert man heutzutage durch mehrere Dinge. Wie zum Beispiel durch Alltagswissen, die tägliche Bestätigung, das ein Reifen rund ist und nur runde Dinge rollen können und ähnliches. Alltagswissen, was kaum noch jemand beachtet, da es für uns Menschen für selbstverständlich geworden ist, dass Dinge funktionieren.
Aber auch Erkenntnis ist Wissen, welche wir uns Tag für Tag aneignen durch beobachten und erforschen der Umwelt, aber auch durch die Wissenschaft, die täglich neue Dinge erkundet und an die Menschheit weiter gibt.
Wissen kann aber auch Intelligenz bedeuten, wie das Wissen, dass 1+1=2 ist. Aber auch Dinge die wir im täglichen Leben tun, wie beispielsweise Laufen, müssen wir erlernen und dies können wir nur, indem wir wissen wie dieser Vorgang abläuft, da wir ihn von Menschen aus unsere Umgebung nachahmen.
Der Unterschied ist also klar, aber kann man so genau wissen, ob man jetzt tatsächlich etwas weiß und ob das Wissen ist?
So genau kann man nicht sagen, wann man weiß das etwas stimmt, nur drücken die Menschen dies unterschiedlich aus. Beispielsweise sagt der eine, dass er weiß, dass es Gott gibt und ein anderer sagt er glaubt, dass es Gott gäbe. Keiner von beiden kann beweisen, dass es wirklich so ist. Also ist es eine Annahme, bei der der Erste meint, er kann es für sich beweisen und der andere möchte daran glauben, kann es aber keinem anderen darlegen.
Menschen brauchen Beweise um zu glauben, aber auch nur dann, wenn neue Dinge in unser Leben eintreten. Sie glauben nicht einfach, was man ihnen sagt. Aber sobald jemand ihnen einen plausiblen Grund genannt hat, dann sagen sie schon sie haben verstanden und bezeichnen dies als Wissen.
Doch gibt es auch Dinge, die man nicht mehr beweisen oder auch nie beweisen kann. Denn wie die Welt jetzt letztendlich entstanden ist, können wir nur vermuten, nicht wissen, müssen einfach glauben. Wer dann glaubt, kann von sich sagen, dass er etwas zum weiterleben hat. Diejenigen, die glauben, haben etwas, woran sie sich halten, ja sogar festhalten können. Doch die, die meinen zu wissen, bei denen besteht Gefahr, dass ihnen das Gegenteil bewiesen werden kann und dann stehen sie da und ihr Wissen ist widerlegt worden. Doch fällt es den meisten Menschen heutzutage leichter zu wissen als zu glauben. Sie wollen Beweise und ohne diese können sie keinen Glauben aufbauen. Ohne Beweis kein Glauben, ohne Glauben kein Wissen.
Es kommt immer auf den Menschen an, ob er glauben möchte oder nicht. Niemand kann gezwungen werden zu glauben, jedoch kann man auch Wissen nicht erzwingen. Liegt aber Glaube nicht an einem Selbst und Wissen an dem anderen, der mir dieses vermitteln könnte?
Wenn man unter Umständen in einer Notsituation ist, kann einem Wissen jedoch wenig helfen, aber wenn man glauben kann, glauben an Hilfe, die bald kommt und einen rettet, ist man nicht verloren und kann alles länger aushalten.


Wo das Wissen aufhört, fängt der Glaube an. (Aurelius Alighieri)