

60 Jahre nach dem Krieg betraten Galina Lewschitz (72) und Anatoli Jaskewitsch (70) erstmals wieder deutschen Boden. Anatoli Jaskewitsch war in einem Arbeitslager für nicht volljährige Kinder in Kiel, und Galina Lewschitz saß in Dessau als unfreiwillige Organ-spenderin ein. Nur weil das Mädchen damals Typhus hatte, überlebte sie. Die beiden ehemaligen Zwangsarbeiter aus Weißrussland besuchen bis Samstag das städtische Meerbusch-Gymnasium in Strümp. Gestern berichteten sie 90 Minuten lang Schülern der zehnten Klassen als Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs aus der Opfersicht.
"Die Jungen und Mädchen haben mucksmäuschenstill da gesessen und den Erzählungen zugehört", berichtet Direktor Ulrich Keusen. Danach hätten sie vor allem nach dem Leben im Lager und in der Zeit nach dem Krieg und nach der Rückkehr nach Russland gefragt, sagt Keusen. Die psychischen und körperlichen Folgen waren ebenso Thema wie das Verhalten der Soldaten.

Empfang in Villa Merländer
Das Meerbusch-Gymnasium sei im übrigen die einzige Schule, die im Umkreis das Angebot des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerkes e. V. (IBB) mit dem Namen "Erinnern für eine gemeinsame Zukunft" angenommen habe, ehemalige Zwangsarbeiter aus Osteuropa einzuladen, berichtet Keusen. Weder in Düsseldorf, Krefeld noch Neuss seien Zeitzeugen durch Vermittlung des IBB in den Unterricht eingebunden. Gestern Mittag machte Bürgermeister Dieter Spindler den Gästen seine Aufwartung. Heute fahren sie zum Empfang in die Villa Merländer nach Krefeld.
Der Besuch ist eingebunden in eine Projektarbeit der zehnten Klassen zum Nationalsozialismus. Zum Jahrestag ,,60 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs" am 8. Mai haben die Schüler eine Ausstellung gestaltet.
Im Foyer der Schule sind Berichte, Fotos und Modelle zu sehen. "Die Schüler haben von der Recherche über die Konzeption bis hin zur Präsentation alles in Eigenregie gemacht“, sagt Lehrer Jürgen Hengst voller Anerkennung. Gemeinsam mit Kollegin Jutta Montaggioni betreut er das Projekt.
Private Unterkünfte
Galina Lewschitz und Anatoli Jaskewitsch sind während ihres Aufenthaltes in Meerbusch privat untergebracht. Sie werden von einer Dolmetscherin und den russisch sprechenden Schülern Stas Wojtolowski, Olga Wojtolowskaja und Katja Weinstein begleitet. Unter anderem stehen der Besuch eines ukrainischen Gräberfeldes auf dem Krefelder Hauptfriedhof aber auch ein Einkaufsbummel sowie Kurzvisiten in der Burg Linn, am Rheinufer und in VenIo auf dem Programm.