
Zwei ehemalige Zwangsarbeiter besuchen die SMG-Schüler und deren Ausstellung zum Kriegsende.
Von Marc Ingel
Meerbusch. Nein, Hass würden sie längst keinen mehr verspüren, im Gegenteil: "Ich hatte nie etwas gegen Deutsche. Nicht gegen das Volk. Nur gegen die damalige Regierung", sagt Galina Liushyts, und Anatolij Yaskevich nickt zustimmend.
Die beiden ehemaligen Zwangsarbeiter aus dem heutigen Weißrussland sind in Begleitung einer Dolmetscherin für fünf Tage zu Besuch in Meerbusch. Hintergrund ist eine aufwändige Ausstellung der Jahrgangsstufe zehn des Meerbusch-Gymnasiums in Strümp anlässlich des 8. Mai 1945 - dem Tag, an dem der Zweite Weltkrieg offiziell sein Ende fand.


Yaskevich und Liushyts sind erstaunt, wie wissbegierig ihnen die Schüler hier begegnen. „Ich hatte im Vorfeld schon ein wenig Respekt vor diesem Zusammentreffen. Doch im Gespräch wich die Angst schnell dem Bedürfnis, den jungen Leuten all ihre Fragen zu beantworten", erzählt der 70Jährige, der an jenem 8. Mai vor 60 Jahren von amerikanischen Truppen aus einem Kinder-Arbeitslager bei Kiel befreit wurde.
Um ein Datum fünf Tage früher kreisen die Erinnerungen der 72-Jährigen, die von den Amerikanern im KZ Dessau vor dem Tod bewahrt wurde. "Das ist seitdem mein zweiter Geburtstag."
Die beiden Zeitzeugen haben auf Vermittlung des IBB (Internationales Bildungs- und Begegnungswerk) in Dortmund den Weg nach Meerbusch gefunden. Neben vielen Gesprächen soll den Osteuropäern auch ein abwechslungsreiches Freizeit-Programm den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten. Positiv überrascht waren sie von der Mühe, die sich die Schüler mit der Ausstellung in der Aula des Gymnasiums gegeben haben.
"Wir haben vor allem versucht, viele Zeitzeugen-Interviews zu sammeln", erzählt die 16-jährige Malou König. Großeltern oder anderen Familienangehörigen wurden Fragebögen zugeschickt, mit der Bitte um Auskunft, wie sie das Kriegsende erlebt haben. "Dabei kam immer wieder der Spruch: Gut, dass es vorbei ist. Der wurde dann auch zu unserem Leitsatz", erklärt Caroline Pauly, ebenfalls 16 Jahre alt.
Auf Stellwänden, die noch bis Ende nächster Woche zugänglich bleiben, haben die knapp 100 Schüler außerdem Zeitungsausschnitte zusammengetragen, sie zeichnen die Flüchtlingsströme nach oder berichten von Einzelschicksalen.
"Besonders interessant sind die Darstellungen eines Dr. Wilhelm Jäger", berichtet Jutta Montaggioni. "Der Mann war so begeistert von unserer Idee, dass er seine Erinnerungen als 14-Jähriger ganz ausführlich niedergeschrieben hat", so die Geschichtslehrerin. Für ihren Kollegen Jürgen Hengst ist nicht zuletzt wichtig, "dass auch die jüngeren Schüler in der Pause stehen bleiben und schauen".
