Hohlspiegel-Skulptur von Adolf Luther im Foyer
Die Hohlspiegel‑Skulptur im Meerbusch‑Gymnasium gehört zu Luthers großen Architektur‑Integrationen der siebziger Jahre. An der Decke des"Pädagogischen Zentrums" sind 36 Hohlspiegel mit einem Durchmesser von jeweils 85 cm quadratisch angeordnet. Die Spiegel können durch Elektromotore gegenläufig zueinander gedreht werden. Die Hohlspiegel selbst werden aus darunter befindlichen, verdeckten Lampen angeleuchtet, fassen die Lichtstrahlen zusammen und. werfen sie als Lichtkegel zurück. So entstehen kreisende Lichtpunkte auf dem Boden. Fällt das Licht aber zusätzlich auf atmosphärische Partikel wie kleine Staubkörnchen oder simplen Zigaretten‑Rauch, so entstehen Lichtkegel, die wie"Lichtplastiken" anmuten. Lichtstrahlen werden im Jocussierenden Raum" sichtbar gemacht und bekommen eine räumliche Gestalt. Es entsteht eine energetische Plastik. Sie ist ein ätherisches Gebilde der Veränderlichkeit und Vergänglichkeit. Man kann sie durchschreiten und sich in ihr aufhalten. Wenn sich alle Spiegel bewegen, wird der Raum als Ganzes zum kinetischen Erlebnis.
Adolf Luther: Licht und Materie

Es gab nur ein Thema, das er, das ihn zeitlebens verfolgte: das Licht. Adolf Luther (1912‑1990) hatte auf seine Berufswünsche Architekt oder Musiker verzichten müssen. Er hatte nach Militärdienst und Jurastudium eine Verwaltungslaufbahn eingeschlagen. Doch was er in freien Stunden als Soldat auf der englischen Kanalinsel Alderney bei der Landschaftsmalerei ahnte, die dingliche wie immaterielle Eigenschaft des Lichts, das hat sich ihm zur künstlerischen Fragestellung verdichtet. Von der einfachen Reduktion der Malerei über Farbfeldbilder, schwarze Bilder, Entmaterialisierung durch Zerschlagen von Flaschen, Lichtschleusen mittels Brillengläsern, rauchgeschwängerte Räume mit focussierendem Licht kam er zu den Hohlspiegelobjekten, die seine künftige Handschrift ausmachten und gerade als Serienprodukte Luthers Anspruch auf konkrete Kunst erfüllten.
(H. M. Frese in Rheinische Post vom 20.09.90). 

Restaurierung der Lutherplastik

  1974‑1976 schuf Adolf Luther die Hohlspiegelskulptur an der Decke des Meerbusch‑Gymnasiums als große Architekturintegration.

    1996 wurde mit Hilfe des Fördervereins die Lutherplastik restauriert, die Motoren zur Bewegung der einzelnen Spiegel wieder in Gang gesetzt, die Plastik gereinigt, so dass sie wieder als energetische Plastik wirken kann.

Anders als in der Malerei wird in dieser Kunst des Lichts die Aktivität des Betrachters (bzw. eines Dritten) benötigt, den Kreislauf in Bewegung zu setzen. Wegen ihres hohen spielerischen u. didaktischen Wertes verbunden mit der bekannten Faszinationskraft des Lichts ist Luthers Skulptur im Meerbusch‑Gymnastium auch"ein Anstoß, besser zu sehen, mehr zu sehen, zu denken, zu fantasieren, freier zu werden." (Dietrich Mahlow, 1977)

  Luther hat in zahlreichen öffentlichen Gebäuden sein Lichtkonzept in die architektonische Dimension übertragen, z. B. im Schloss Nordkirchen bei Münster (1971), im Olympiastadion in München (1972), in der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg (1973) und im Bundeskanzleramt in Bonn (1976). Ab Mitte der siebziger Jahre folgten Aufträge im Ausland, u. a. für das Museo de Arte Moderne Jesus Soto in Venezuela (1976), die Deutschen Botschaften in London (1977), Brasilia (1978), Karthoum (Sudan), das deutsche Generalkonsulat in Zagreb (1977), die Westdeutsche Landesband in New York (1977) und das Goethe‑Institut in Rom (1987). In den siebziger und achziger Jahren realisierte Luther in Deutschland weitere Integrationen u. a. für die Tonhalle Düsseldorf (1978), die Fernuniversität Hagen (1980), den Düsseldorfer Bahnhof (1987), das ehemalige Wasserwerk vor dem Deutschen Bundestag (1989).