Wie lange noch?
Gertrud Scheu lebt seit 1961 in Zimbabwe. Sie war vor allem in der Bildungs- und Entwicklungsarbeit tätig. Obwohl sie ihre Hauptarbeit abgegeben hat, betreut sie immer noch das “Midland’s Childrens Home” als Treuhänderin. Im “Rosdale” Heim werden 63 Kinder von 1 Monat bis zum Abschluss von Schule und möglicher Lehre betreut. In einem zweiten Heim ”Pamushana” gibt es eine grosse Gärtnerei wo all die beschäftigt werden, die keine Stelle finden können. Mit ganz wenigen Ausnahmen wurden die Kinder ausgesetzt und keine Familien-Beziehungen konnten gefunden werden. Das Heim kann nur mit Hilfe aus der Schweiz und aus Deutschland existieren.
Der folgende aktuelle Brief von Frau Gertrud Scheu aus Zimbabwe wurde uns im Oktober 2008 zugemailt.
16. Sept. 08
Die Läden in Zimbabwe sind schon seit mehr als einen Jahr leer. Die tägliche Nahrung der Leute ist Mais und Gemüse, aber auch das ist nicht gesichert. Der Mais ist sehr knapp. Es ist sehr heiss und wie immer haben wir Tage lang kein Wasser. Auch der Regen lässt auf sich warten. Darunter leidet das Gemüse. Den grossen Garten im Heim könnten wir bewässern, aber die wenigen Stunden, wo es Elektrizität gibt, genügen nicht zum Pumpen. Jetzt bereuen wir es, dass wir nicht eine vielmal teurere Solar-Pumpe gekauft haben. Der ständige Ausfall von Wasser und Elektrizität macht das Leben sehr schwierig, vor allem in einem so grossen Haushalt mit über 60 Kindern. Dazwischen müssen wir regelmässig nach Botswana fahren zum Einkaufen: Seife, Mehl, ÖL, Vaseli und einfach alles was wir brauchen, sogar Salz. Die Fahrt nach Botswana ist eine rechte Geduldsprobe, denn am Zoll gibt es zu jeder Tagszeit große Menschenschlangen. Cars bringen hunderte von Menschen aus allen Gegenden des Landes. Sie kaufen in Botswana Lebensmttel für ihre Familien und für den Schwarzmarkt, wo sie es zum doppelten Preis verkaufen. Das ist das einzige Geschäft im Land, das blüht. Die Cars dürfen nicht über die Grenze und so müssen die Leute ihre schwer beladenen Taschen etwa 900 m von einem Grenzposten zum andern tragen. Man muss midestens zwei Tage in Botswana sein, damit man keinen Zoll zahlen muss. So schlafen die meisten Leute im Freien, weil sie sich keine Unterkunft leisten können. Es sind vor allem Frauen, die diese Strapazen auf sich nehmen.
29. Sept 08
Ich habe Kollegen aus den ländlichen Gegenden getroffen. Die Situation ist noch viel schlimmer als in der Stadt. Viele Leute hungern und essen wilde Früchte, die sie im Busch finden. Das ist nicht ungefährlich, denn die Früchte sind giftig, wenn sie nicht richtig reif sind. Im Chilimanzi ist eine Frau mit ihren beiden Kidern gestorben. Im Heim hatten wir noch nie soviele Aufnahmen wie in den letzten Tagen. Ein etwa dreijähriges Mädchen wurde am Busbahnhof ausgestzt und ein neugeborenes Baby mitten in der Stadt. Zwei Geschwister wurden von ihrer geisteskranken Mutter während mehreren Tagen ohne Essen im Haus eingeschlossen, bis sie von den Nachbarn entdeckt und zu uns gebracht wurden.
6. Oct. 08
In den staatlichen Schulen streiken die Lehrer schon seit den letzten Ferien und es ist nicht zu erwarten, dass sie dieses Jahr noch mals aufgehen. Die Kleinen finden das lustig aber die Grossen, die Examen schreiben sollten, sind sehr bertrübt. Das Personal im Rosedale tut sein Möglichstes um die Kinder sinnvoll zu beschäftigen mit Schularbeit. Sie wissen, dass ihre Zukunft von einem guten Schulabschluss abhängig ist. Auch die Universität ist bis auf Weiteres geschlossen. Es ist begreiflich, dass die Lehrer wegen den armseligen Löhne an staatlichen Schulen streiken. Lehrer in den entlegenen Gegenden müssten für den Bus mehr bezahlen als um ihren Monatslohn von 80.000 Zim$ in der Stadt abzuholen. Sogar der Bus von den Aussenquartieren in die Stadt kostet jetzt 60'000 Zim$. Lehrer offerieren Privatstunden oder verlangen extra Bezahlung, damit die Kinder am Unterricht teilnehmen dürfen. Die Privatschulen sind die Einzigen, die noch funktionieren, aber sie verlangen sehr hohes Schulgeld in US$. Ein Bekannter von mir arbeitet als Ingenieur in einer Brotfabrik. Er hat zwei Söhne in St. Georges, einer Jesuitenschule. Das Schulgeld ist sehr hoch und nur in US$ bezahlbar. Die Firma zahlt für einen der Söhne indem sie Brot liefern für den Betrag. Er selber kann ebenso Brot als Lohn beziehen und kann so das Schulgeld für den zweiten Sohn bezahlen. Neben dem Schulsystem ist auch das staatliche Gesundheitswesen total zusammen gebrochen. Nur wenige Leute können sich die enormen Zahlungen an Privatärzte und Medikamente aus der Apotheke leisten. In den staatlichen Spitälern hat es schon lange kein Essen, keine Medikamente und auch kaum einen Arzt mehr.
13. Oct. 08
Ab heute können wir einmal pro Tag auf der Bank 50’000 Zim$ abheben. Als Mitte August die 11 Null gestrichen wurden, war der Betrag pro Tag 500, anfang Sept. 1’000 und ein Monat später 20’000. Während der gleichen Zeit sind auch die Preise gestiegen, z.B. ein 2 kg. Paket Zucker von 1.500 auf 45.000 Zim$. Hier in Gweru stehen täglich 15 bis 20’000 Leute Schlange vor den Banken. Im Kinderheim haben wir einen speziellen Plan, damit die Angestellten mindest einmal pro Woche auf die Bank gehen können. Aber auch das hilft nicht viel. Wie eine unserer Hausmütter morgens um halb acht zur Bank kam, war sie bereits Nr. 400. Die Bankbeamten schreiben denen, die am Abend nicht bedient werden können, eine Nummer auf die Hand. So müssen sie jetzt nicht mehr die ganze Nacht in der Schlange warten. Die Frau ist erst nach 7 Uhr abends zurück gekommen. Wie die Bank um 4 Uhr die Türen schliessen wollte, haben sich soviele Leute wir möglich noch hineingedrängt und so mussten sie weiter machen. Der Mangel an Cash ist besonders schlimm, da alternative Zahlungsmethoden wie Checks und interne Kreditkarten meistens nicht mehr akzeptiert sind. Immer mehr werden US$ verlangt. Sogar für 20 kg. Mais werden 25 US$ verlangt. Das können aber nur Leute zahlen, die von ihren Verwandten im Ausland Geld bekommen.
16. October
Am 5. September konnten wir auf dem Parallel Markt einen US$ für 45’000 Zim$ wechsel. Vor zwei Wochen staunte ich, wie ich für 1 Fr. 950,000 Zim$ erhielt, und heute kam eine Offer von 50 Mil Zim$ für einen US$. Es ist klar dass niemand mehr Vertrauen hat in den Zim$ und jetzt wollen die “Horder” sie um jeden Preis abstoßen. Gestern beobachtete ich, wie ein junger Mann einer Marktfrau 2 Mil Zim$ für einen US$ offerierte. Sie hatte gab ihm 5 $ und er ging zu einm stationären Auto um ihr Geld zu holen. Er brachte ihr einen CASH CHECK den sie nur in der Bank deponieren kann. Die Frau müsste 200’000 mal zur Bank gehen bis sie die erlaubten 50’000 Zim$ abgehoben hat. So werden die Ärmsten noch betrogen. Während wir für die 50’000 Zim$ täglich anstehen müssen, hat uns die Bank problemlos 5’000 US$ Noten ausbezahlt, die von der Schweiz aus geschickt wurden. Die Kommission war 4%. So können wir das Personal im Kinderheim mit US$ bezahlen. Das ist die einzige Lösung für sie. Heute hat die Polizei wieder vier Kinder gebracht . Ihre Mutter ist gestorben und der Vater hat es in der Not mit “Goldwaschen” versucht. Immer mehr Leute versuchen in den Flüssen kleine Körner von Gold zu finden. Wenn sie erwischt werden, müssen sie bis zu zwei Jahre ins Gefängnis. Wir hatten leider nur Platz für die Kleinen, die grösseren Buben mussten in ein anderes Heim. Wir haben weitere zwei Kinder im Heim deren Väter aus demselben Grund ins Gefängnis mussten. Einer ist dann an AIDS gestorben und der andere ging nach seiner Entlassung wieder in seine Heimat Mocambiqe, ohne seinen Sohn.
28. October
Während einer Woche sind die Leute aus der politischen Lethargie etwas erwacht. Zuerst war die Konferenz in Swaziland und der Skandal, dass Tsvangirai nicht teilnehmen konnte, weil er keinen neuen Pass erhalten hat. Dann war die Konferenz in Harare, die gestern, nach 13 Stunden, wieder scheiterte. Ob die Delegation der Sadac eine Lösung findet? Für die meisten Menschen ist der Überlebenskampf wichtiger als die Politik. Sogar der Cronicel, der als Regierungs Zeitung bekannt ist, berichtet jetzt über die kathastophale Situation, vor allem in Matabele Land. Dabei wurden einige Ausländische Organisationen am Verteilen von Hungerhilfe gehindert, weil sie im Verdacht stehen, mit der Opposition zusammen zu arbeiten. Alle Hilfe muss unter dem Namen von Mugabe verteilt werden.
 |

|
|
www.meerbusch-gymnasium.de
|
www.smg-meerbusch.de |
Das Waisenhaus Rosedal in Gweru - Zimbabwe
(vormals St.Anne´s Home for Children)
|
 |
|
 |
 |
|
|
Bilder aus Gweru ( November 2006 ) |
|
|
Berichte und Bilder vom Besuch Meerbuscher Schülerinnen
und Schüler in Zimbabwe 1998
|
|